Entgrenzter Formalismus. Verfahren einer antimodernen Ästhetik

Prof. Kerstin Stakemeier veröffentlicht Theorien zu einer revidierten Kunstgeschichte

Entgrenzter Formalismus. Verfahren einer antimodernen Ästhetik von Prof. Kerstin Stakemeier

Nähert man sich der Autonomie der Kunst als einem historischen Problem statt als einer gefährdeten Errungenschaft, ergibt sich eine grundlegend reorganisierte Kunstgeschichte. Die moderne Freiheit der Kunst zeigt sich als gesellschaftliche Selbstentmündigung, ihr bürgerlicher Fortschritt als akademische Beschränkung. Als moderne wurde die künstlerische Praxis unausweichlich individuell, sittlich und national. Vor dem Hintergrund dieser sich als fragwürdig erweisenden Moderne zeigen sich symbolistische Dekadenzen der Jahrhundertwende als ungeahnte Vorläufer bis in die Gegenwart reichender künstlerischer Entgrenzungen dieser ‚Zivilisierungen’ ästhetischer Praxis als Kunst. Schon AutorInnen wie Georges Bataille, Carl Einstein, Peter Gorsen und Lu Märten verorteten die Infragestellung moderner Formen im Zentrum ihres Denkens: ihre Schriften eröffnen inmitten der kanonisierten (Kunst)Geschichte eine Tradition ästhetischer Vorstöße in eine noch unrealisierte Antimoderne – in eine unvollendete Selbstabschaffung der eigenen Modernität. Auch unsere vielfach katastrophische Gegenwart ist übervoll mit Versatzstücken künstlerischer Tendenzen, die sich weigern, einen kunstimmanenten Formalismus zu reproduzieren. Entgrenzter Formalismus stellt die Grundzüge einer gegenwärtigen Kunstgeschichte künstlerischer Selbstabschaffung zusammen. In ihr wird der Aufstieg und Fall künstlerischer Formen Anhaltspunkt und Praxisbeispiel eines ästhetischen Denkens, das vorschlägt, die Gegenwartskunst als Austragungsort gesellschaftlicher Form ernst zu nehmen – damit aus ihr mehr folgen kann als nur sie selbst.

 

 

Dr. Kerstin Stakemeier ist an der AdBK Nürnberg Professorin für Kunsttheorie und -vermittlung.  Seit Beginn der 2000er Jahre lehrt sie in den Bereichen politischer Kunst-, Kultur- und Medientheorie sowie Kunstgeschichte. Dabei setzt sie sich mit der modernen, postmodernen und gegenwärtigen Geschichte der Ausstellungspraxis auseinander.  Die fortgesetzte Kollaboration mit Anderen – in Forschung und Lehre, im Schreiben und der praktischen Arbeit innerhalb der Kunst – ist ein wesentliches Moment ihrer Praxis, wie auch die aktuelle Publikation belegt. Darin erscheinen Kommentare von u.a. Monika Baer, Sidsel Meineche Hansen, Anne Imhof, Jenny Nachtigall und Susanne M. Winterling.

 

Die Publikation ist im Verlag b_books erschienen und kann über  Pro qm erworben werden.

Veröffentlicht: 10.01.2018

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