I guess I need you baby

Ausstellung im Strafjustizzentrum Nürnberg

Die von Simone Körner - Studierende der AdBK Nürnberg - kuratierte Ausstellung wird am 24. Januar um 17 Uhr im Strafjustizzentrum Nürnberg eröffnet.

 

In der Ausstellung I GUESS I NEED YOU BABY werden die Perspektiven und Stimmen von 13 Künstler_innen, aus Nürnberg, Wien und Berlin vereint. Zu sehen sind Malereien, Scherenschnitte, Fotografien und Skulpturen. Im Obergeschoss des neo-modernen Neubaus des Nürnberger Strafjustizzentrums, bilden die Werke eine Infrastruktur, die sich der Frage „welche Kräfte binden eine Person?“ widmet. Im Warteraum vor den Gerichtssälen wird die Vermessung dieser Kräfte, aus der Perspektive der Künstler_innen, zu einer ihrem eigenen Leben gegenüberstehenden Maßlosigkeit. Wie im Fiebertraum sind wir als Betrachtende, durch die erzeugten Bildwelten in ein Sichtfeld gerückt, an dem es keinen, oder nur perspektivisch angeschnittenen Raum gibt. Jeder Zugang zu räumlicher Tiefe fehlt. An die Abbildungen alltäglicher Gegenstände ist unser Blick oft zu nah herangeführt. Was besonders auffällig ist: Körper sind in den ausgestellten Werken nicht, oder nur als Rest, Abdruck, oder Spiegelung vorhanden. Die Kräfte werden also von den Dingen bestimmt, die den eigenen Körper umgeben, berühren, sozial einbetten.

Das kann der gesellschaftliche Vertrag der Ehe sein, der eine der wenigen legitimen Formen von Abhängigkeit in unserem Leben herzustellen scheint (Ari Pilhofer). Das kann das Auto, als Symbol des modernen Verlangens nach unendlicher Freiheit und Dynamik sein (Veronika Haller). Das kann an unscheinbare Dinge geknüpfte Sentimentalität sein, der Wunsch einen Moment zu fixieren und ein materielles Gedächtnis zu bekommen (Anna Skuratovski). Auch die Uhr kann eine dieser Kräfte bilden, die als unendlicher Loop, als ständige Wiederholung eines Takts, das Leben durch Zeit strukturiert (Katharina Cameron). Die Methoden der Herstellung eines Selbst an den Grenzen unserer Haut, werden in der Ausstellung als verzerrtes Spiegelbild zwischen Folklore und Narzissmus (Alexandru Șalariu), als un-romantische Sinnlichkeit zwischen Farbe und Geruch (Evelyn Kliesch), oder als Lücke, zwischen Greenscreen und Kamera (Roxana Rios) vermessen. An den Grenzen der eigenen Arbeit als Kunst vermisst sich das Selbst parasitär in der Aneignung fremder Visitenkarten (Monique S. Desto) und an den Grenzen eines Landes ist es der Pass, der über die Herstellung eines Selbst als Person entscheidet (Ali Zubaidi). „Wie ist es in sich selbst fixiert zu sein?“ fragt uns die Stimme aus dem Telefon, die eigene Innerlichkeit wird zur Raumvermessung im Strafjustizzentrum (Silja Beck). Die blauen, ledrigen Blätter einer unbekannten Pflanze legen sich kühlend vor unsere überhitzten Augen (Laila Auburger) und schlagen uns vor: „It is unremarkable to note that all life is artificial life. What is worth reflecting upon is the ‚nature‘ of artifice“ . Betrachten wir die ikonografischen Ursprünge der allegorischen Vorstellung von “Recht”sprechung - die Balance des Herzens gegen eine Feder im antiken Ägyptischen Totengericht und die allegorische Figur der blinden Iustitia, die neben dem Schwert auch die Waage hält, symbolisch für das Abwägen und die Unvoreingenommenheit, bleibt zu fragen, von welchem Selbst bestimmt sich ausgleichende Gerechtigkeit (Joanie Baumgärtner)?

In den frühen 2000ern haucht Britney Spears die Lyrics ihres Trennungs Songs Everytime in die Welt:

„everytime I try to fly I fall
without my wings I feel so small
I GUESS I NEED YOU BABY
And every time I see you in my dreams
I see your face It's haunting me
I GUESS I NEED YOU BABY”

Der Protagonistin bleibt nichts anderes, als in ihrem Eingeständnis von NEED unterzugehen. Von dem, was sie braucht, von dem Stellvertreter ihres Bedürfnisses nach Intimität und Wahrnehmbarkeit, wird sie in ihren Träumen heimgesucht. Solch eine Heimsuchung können wir auch in den künstlerischen Arbeiten beobachten. Die Zeit bricht in der Form eines Weihnachtssterns aus der Uhr heraus, das Auto ist selbst nicht bewegt, sondern mit in den Lack geschliffenen, dynamischen Zeichnungen überzogen, der Name der Künstler_in kann auf der Visitenkarte nur aus dem Namen einer anderen Person hervordringen, das Paar, das den Heiratsantrag am Himmel erblickt ist auf Gedeih und Verderben zusammengenäht.


Wie bestimmen die Strukturen, die uns als Personen bündeln unsere materiellen Bedürfnisse im Leben?

Der Horizont des aufgeklärten, in die Welt blickenden Subjekts scheint für die Künstler_innen erschöpft. Ihr Blick haftet sich an die Oberflächen der Dinge, des Interieurs, die unsere Innerlichkeit bestimmt und verzerrt diese aus der eigenen gesellscahftlichen Unmöglichkeit.

 

Veröffentlicht: 17.01.2024

Zum Schließen scrollen

News

Zum Schließen scrollen

künstlerische Klassen

grundständiges und postgraduales Studienangebot

Kunstpädagogik

Lehramt Kunst am Gymnasium

Live Art Forms

Performative Practices Master Program

kunstbezogene Wissenschaften

fächerübergreifendes Lehrangebot

Werkstätten

Ausstattung, Techniken, Kursprogramm

Studienförderung

Stipendienprogramme, Preise und Auszeichnungen

Vorlesungsverzeichnis

Lehrangebot der AdBK Nürnberg

International Office

Erasmus+, PROMOS und Stibet Programme

Studienangebot und Beratung

Lehrangebot, Studien- und Mappenberatung

Bewerbung und Aufnahmeverfahren

Wie bewerbe ich mich?

Bewerbungstermine

Bewerben bis 15. April 2024, 12 Uhr

Symposien

Titel, Thesen, Argumente

Publikationen

Projekte

Selbstverständnis

Geschichte

die älteste Kunsthochschule im deutschsprachigen Raum

Architektur

Sep Ruf & Hascher Jehle Architektur

Professorinnen und Professoren

wissenschaftliches und künstlerisches Schaffen

Gremien und Beauftragte

akademische Selbstverwaltung

Einrichtungen

zentrale Einrichtungen

Hochschulverwaltung

Zuständigkeiten & Kontakt

Lehrpersonal

künstlerische & wissenschaftliche Mitarbeitende

Chancengleichheit, Inklusion und Diversität

Leitbild der AdBK Nürnberg

Kontakt

Adresse

Akademie der Bildenden Künste Nürnberg


Bingstr. 60, 90480 Nürnberg

Telefon: +49 911 9404 0

Fax: +49 911 9404 150

info@adbk-nuernberg.de


Freunde der AdBK Nürnberg Facebook Twitter Instagram YouTube

Klicken zum Bewegen und Zoomen

Öffnungszeiten

Campus


Öffnungszeiten:

Vorlesungszeit: Montag bis Freitag, 7.30-19 Uhr / Samstag 9-13 Uhr

Vorlesungsfreie Zeit: Montag bis Donnerstag, 8-17 Uhr / Freitag, 8-14.30 Uhr


Werkstätten


Öffnungszeiten:

Montag bis Donnerstag, 8-12 Uhr und 13-17 Uhr / Freitag, 8-12 Uhr und 13-14.30 Uhr


Studierendensekretariat


Öffnungszeiten:

Montag bis Freitag, 8-12 Uhr

freitags nur telefonisch


Prüfungsamt/ International Office


Öffnungszeiten:

Montag bis Donnerstag, 8-12 Uhr und 14-15 Uhr 

Freitag, 8-12 Uhr


Bibliothek


Öffnungszeiten:

Öffnungszeiten Vorlesungszeit / vorlesungsfreie Zeit:
Montag – Donnerstag: 9 – 12 Uhr und 13 – 16 Uhr
Freitag: 9 – 14 Uhr
 
Geschlossen an Samstagen, Sonntagen und Feiertagen.
 
Bitte beachten Sie, dass sich die Öffnungszeiten kurzfristig ändern können. Aktuelle Änderungen werden rechtzeitig am Bibliothekseingang bekannt gegeben.


Newsletter

Melden Sie sich für den Newsletter an.

* Pflichtfeld

Credit
Ihr Browser ist veraltet. Bitte aktualisieren Sie Ihren Browser um diese Webseite optimal nutzen zu können.
Zurück zur normalen Version