Mit der Soundinstallation “Faultlines” haben sich Emmi Heckel, Rudyard Schmidt, Talaj Szöke, Minh Tung Thai, Antonia Weber am Wettbewerb „Kunst am Bau“ für den Lern- und Begegnungsort Zeppelinfeld und Zeppelintribüne beteiligt. Die Künstler*innen studieren in der Klasse für Freie Kunst unter der Leitung von Prof. Heike Baranowsky an der AdBK Nürnberg.
Die interaktive Soundinstallation reagiert direkt auf die Architektur und ihre gegenwärtige Nutzung, indem sie das Bauwerk nicht als statisches Monument, sondern als dynamischen, akustisch ansprechbaren Körper behandelt. Die Arbeit nutzt Sound als Mittel, um die historische Autorität der Architektur zu durchbrechen – sie zu stören, zu durchlöchern und sich räumlich wie inhaltlich neu anzueignen. Durch physische und auditive Irritation und Desorientierung wird Aufmerksamkeit gebündelt – und damit auch die Wahrnehmung während des Aufenthalts intensiviert. Auch durch die Bewegung innerhalb der Installation verändert sich die Position der Besucher*innen stetig – und mit ihr die Empfindung des Sounds. Die Installation erzeugt eine Choreografie, die die direkte Zuordnung von Sound und Ursprung auflöst.
Zu dem geschlossenen Wettbewerb waren sieben Künstlerinnen, Künstler und Kollektive eingeladen. Eine zwölfköpfige Jury aus Vertreterinnen und Vertretern des Nürnberger Stadtrats, der Bau- und Kulturverwaltung, Fachleuten für Geschichtsvermittlung und Denkmalpflege sowie externen Kuratorinnen und Kuratoren mit Erfahrung im Bereich Kunst im öffentlichen Raum entschieden sich für den Entwurf der international renommierte Klangkünstlerin Susan Philipsz aus Schottland. Susan Philipsz Konzept einer 24-Kanal-Klanginstallation „A Tone Poem“, die künftig auf der Stufenanlage der Zeppelintribüne realisiert wird, bedient sich ähnlicher Strategien der Abstraktion und der Soundinstallation. Angesichts der klanglich-poetischen Qualität und der konzeptuellen Tiefe entschied sich das Gremium einstimmig für das Werk „A Tone Poem“ von Susan Philipsz.
Die Installation greift Richard Strauss’ Komposition „Metamorphosen“ auf und dekonstruiert diese tonale Struktur und setzt so ein musikalisches Statement gegen das Vergessen und die Ästhetik des Nationalsozialismus.
Bürgermeisterin Prof. Dr. Julia Lehner würdigt die Entscheidung: „Mit Susan Philipsz erhält eine der renommiertesten Klangkünstlerinnen unserer Zeit die Möglichkeit, die Zeppelintribüne als einen Ort der Auseinandersetzung mit der NS-Vergangenheit und zugleich der Gegenwärtigkeit zu begreifen. Dass die von Richard Strauss, ab 1933 Präsident der Reichsmusikkammer, komponierten Metamorphosen in der Klanginstallation von Susan Philipsz als Zwölftonstruktur dekonstruiert werden, ist eine besondere Qualität und ein Zeichen gegen das Vergessen. Die von Arnold Schönberg entwickelte Zwölftontechnik wurde von den Nationalsozialisten verfemt und Schönberg selbst musste emigrieren.“
Die Klanginstallation wird im Zuge der aktuell laufenden baulichen Maßnahmen zur Entwicklung des Lern- und Begegnungsortes umgesetzt.
Der Wettbewerb wurde auf Anregung der Fördergeber von Bund und Freistaat Bayern ausgelobt, da der künftige Lern- und Begegnungsort Zeppelinfeld und Zeppelintribüne eine herausragende nationale Bedeutung besitzt. Von der Gesamtsumme des Bauvorhabens sind daher zwingend 0,5 Prozent für die Realisierung von Kunst am Bau vorgesehen. Bei der Gesamtsumme von 85,1 Millionen Euro – wovon der Deutsche Bundestag 42,55 Millionen Euro bereitstellt und der Freistaat Bayern und die Stadt Nürnberg jeweils 21,275 Millionen Euro beisteuern – sind diese 0,5 Prozent umgerechnet rund 400 000 Euro.
Alle eingereichten Entwürfe des Wettbewerbs sind von Mittwoch, 5. November, bis Donnerstag, 27. November 2025, in einer öffentlichen Ausstellung im Offenen Büro des Stadtplanungsamts Nürnberg, Lorenzer Straße 30, zu sehen und zu hören.
Die Öffnungszeiten sind Montag, Dienstag und Donnerstag von 8.30 bis 15.30 Uhr sowie Mittwoch und Freitag von 8.30 bis 12.30 Uhr.
Veröffentlicht: 19.11.2025



















