Zentrum des Projektes ist die Ausstellung im Heimatministerium. Die Akademie Galerie Nürnberg und Galvani Galerie dienen als mehr oder weniger eigenständige Satelliten, die das Projekt kontextualisierend begleiten und zugleich eigenständig für sich stehen.
Laufzeiten
19.06.- 09.07.2023 in der Galvani Galerie, Galvanienstraße 12, Nürnberg
Vernissage 18.06., 16:00
24.06.- 02.07.2023 im Foyer des Heimatministerium, Bankgasse 9, Nürnberg
Vernissage 23.06., 19:00
24.06.- 02.07.2023 in der Akademie Galerie Nürnberg, Hauptmarkt 29, Nürnberg
Vernissage 23.06., 19:00
Ausstellung
Irgendwo zwischen neoromantischen Sehnsuchtsseufzern und nationalistischer Instrumentalisierung ist Heimat wohl jedem und jeder ein Begriff. Aber was bedeutet sie für uns? Wie verhält sie sich zu (unsrer) „Identität“ und „Individualität“, Sehnsüchten und Hoffnungen, Ängsten, Ideologie und Wandel? Wie prägt „Heimat“ und ihr Empfinden unsere Gesellschaft, entwickelt sie Auswüchse und konserviert?
In der Ausstellung haben wir vor, uns auf dieses Diskursfeld zu begeben. Dem Begriff Heimat liegt eine Ästhetik zugrunde, also Erscheinungsformen, die an den Rändern der Bedeutung des Wortes visualisiert werden. Unsere künstlerische Praxis bildet sich in diesem umrandeten Bereich heraus, wie wir auf dem Cadolzburger Rücken oder in dem Hersbrucker Kessel herausgebildet und herangezogen wurden.
Das heißt, es wird in der Ausstellung versucht auf dem Eisweiher dieses Begriffsfelds diskursiv Schlittschuh zu laufen. Im Schatten des Rathauses, in der Akademie Galerie und im Schatten der Lorenzkirche, im Foyer des Heimatministeriums, möchten wir Fragen stellen, erforschen und nachzeichnen. Verzweifelt strampeln, und versuchen, in unserem individuellen Eisloch, in das wir (Georg) heym-atlich eingebrochen sind, nicht zu ertrinken. Aber unsere Kleider saugen sich eiskalt schwer. So wenig Zeit wie uns allen bleibt.
Nach dem Krieg errichtete Sep Ruf in „des Reiches Schatzkästlein“, der Stadt der Reichsparteitage und der Stadt, deren krumme Gassen Wackenroders und Tiecks Klosterbruder so gerne durchwanderte, auf den Mauern der zerbombten Volksbank ein neues, transparent-demokratisches Gebäude. Ein radikaler Neuanfang, ein Sinnbild für die neue Bundesrepublik, ohne dabei jedoch Wurzeln und Vergangenheit, ihr Fundament zu verleugnen. 1950 verhandelte Ruf also in diesem Gebäude schon explizit jene Fragen, mit denen wir uns auch heute konfrontiert sehen. Für unsere Ausstellung ist ihre geschichtliche Dimension, die Kontextualisierung unseres Standpunktes mit der gesellschaftlichen Relevanz solcher Fragen in einem demokratischen, modernen Deutschland, sehr relevant.
Künstler
Janos Schäfer
Janos Schäfers Installationen öffnen durch die Kombination von Halbzeug und Objekten zwischen künstlerischem Handwerk und Onlinegroßhandel einen Bezugsraum, der die vorgestellte Lebensästhetik des Kavaliers, des Dandys oder des verwegenen Vaters in eine Druckkammer der Bedeutungsverdichtung stellt. So bringt er seine, mit im Raum platzierten Fragmenten umrissene, Figur zum Implodieren. In der performativen Ergänzung seiner quasi- szenischen Raumgestaltung werden die in ihrer politischen Funktion zerquetschten Teile der bezeichneten Figur aufgerüstet und marionettenhaft animiert, dem scheinbaren Leben wieder zu geführt und vor den bestimmenden Ausstattungsteilen zu Grabe gelegt.
Mathis Hauer
Vorstadtsiedlung, Einfamilienhäuser, illuminierte Balkone bei Nacht. Niemand da, alle versteckt. Unbeteiligt, einsam, diffus. In seiner künstlerischen Arbeit befasst sich Mathis Hauter mit Malerei und Spielfilm, mit der Unausweichlichkeit von Welt und der Konfrontation dieser, mit dem vom „Ich“ übrig gebliebenen. Von Fenstern gerahmt werden Architekturen zu Hüllen, zu Platzhaltern für das Dahinterliegende. Filmen wird zum Sehen, aktiv und passiv zugleich. Der Blick fällt auf die Oberfläche, Dialoge verschwimmen, das Dahinter behauptet zunächst noch seine Rätselhaftigkeit, um dann jedoch selbst zur Kulisse zu zerfallen, sich als das Selbe zu erkennen zu geben. „Manches bleibt in Nacht verloren“ konstatierte Eichendorff noch 1812. Vielleicht hat er sich getäuscht.
Jonathan Werner
Jonathan Werners Video und Filmarbeiten zeichnen sich durch eine zweifach gerichtete Bewegung aus. Einmal geht die Bewegung als Kamerablick suchend und findend von der Kamera auf einen freigestellten Alltag. In dessem Kern erscheint eine Komik, die dann durch die zweite Bewegung, vom Motiv aus zum Display, betont wird: profane Lebensgängigkeiten werden Monumental; Zerbrechliches skaliert sich zur lebens- gefährlichen Größe die einen erschlagen könnte. Zwischen der machtpolitischen Verschiebung des kleinen Unbeachteten zum großen Bedeutungsvollem und der kunsthistorischen Neujustierung des Motivwürdigen bleibt die Figur des Künstlers ein Gravitationspunkt, indem Werners Arbeiten immer auch autobiografisch grundiert sind und so dessen ausgestellte Annahmen zur eigenen Identität wackelig werden lässt.