Kunst, Freiheit, Öffentlichkeit

Die Akademie im Fokus politischer Interessen

Gestaltung: Rebecca Lebrecht,  Solveig-Veronika Schönweitz 

Mittwoch, 27. Mai, 10 Uhr

SymposiumAdBK Nürnberg


Kunsthochschulen verstanden sich lange als autonome Inseln künstlerischer Freiheit. Doch gegenwärtig wird immer deutlicher, dass es nicht nur der Markt ist, der an ihnen zerrt, sondern dass die politische Basis ihrer Autonomie zunehmend fraglich wird. Als staatlich finanzierte Institutionen standen die Kunsthochschulen zwar immer im Spannungsfeld öffentlicher Interessen und Erwartungshaltungen, doch aktuell geraten verstärkt ganz konkrete Inhalte, Positionen und auch Personen in den Fokus politischer Aufmerksamkeit. Vor diesem Hintergrund erscheint es uns notwendig, sich der rechtlichen Grundlagen von Kunstproduktion und -lehre zu vergewissern und uns ins Gedächtnis zu rufen, wie und als was Meinungs-, Kunst- und Wissenschaftsfreiheit in Deutschland verankert sind.

 

Das Symposium eröffnet einen Austausch mit Vertreter*innen anderer Hochschulen und Institutionen und will Raum geben, die Spannungen zwischen abstrakter künstlerischer Autonomie und konkreter politischer Einflussnahme zu reflektieren. Wir gehen der Frage nach, ob Kunst im Kontext zunehmender autoritärer Tendenzen eine wiederständige Position behaupten kann, obwohl und weil sie selbst in diese gesellschaftlichen Dynamiken verstrickt ist.

 

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Programm

 

 

10:00 Uhr
BegrüßungProf.in Eva von Platen-Hallermund, Präsidentin, AdBK Nürnberg

 

 

10:15 Uhr
EinführungProf.in Dr. Kerstin Stakemeier, AdBK Nürnberg

 

 

10:30 Uhr  

Vortrag

Zur juristischen Basis der Kunst-, der Wissenschafts- und der Meinungsfreiheit
Nicht nur in den USA sind die „akademischen Freiheiten“ durch Angriffe auf Hochschulen bedroht, auch bei uns häufen sich Berichte über die Absage von Vorträgen politisch umstrittener Redner*innen, studentische Protestveranstaltungen oder die Einforderung einer angeblichen Neutralitätspflicht. Wieweit sind die Hochschulen und ihre Mitglieder dagegen durch Grundrechte geschützt und wo endet dieser Schutz? Der Vortrag gibt einen kurzen Überblick zur Beantwortung dieser Fragen.
 

Prof. Dr. Lothar Zechlin ist ehemaliger ehemalige Rektor Deutscher und österreichischer Universitäten sowie emeritierter Professor für Öffentliches Recht.

 

11:00 Uhr - Panel 1  

Zur gegenwärtigen Praxis der Kunst-, Wissenschafts- und Meinungsfreiheit 

Unlängst geriet die Kunstakademie Düsseldorf ins Zentrum der nationalen Aufmerksamkeit. Die Studierendengruppe SPARTA hatte die palästinensisch/ US-amerikanische Künstlerin Basma al-Sharif zu einem Vortrag eingeladen. Deren klare Positionierung für palästinensische Autonomie hatte sowohl die Lokal- als auch die Landesregierung auf den Plan gerufen, die nicht nur die Rektorin der Akademie, Donatella Fioretti, zur Unterbindung dieser Einladung aufforderte, sondern, als diese nicht erfolgte, sogar ihre Amtskompetenz anzweifelte. Zu keinem Zeitpunkt ging es hier um al-Sharifs künstlerische Arbeit. Vielmehr war es ihre Positionierung als Teil der palästinensischen Diaspora, die ihre Einladung zur Frage der Staatsräson werden ließ. Auf diesem Podium werden Donatella Fioretti und Lothar Zechlin über die konkrete Arbeit an der Freiheit der Lehre in Kunst und Wissenschaft sprechen.


Prof.in Donatella Fioretti, Präsidentin, Kunstakademie Düsseldorf

Prof. Dr. Lothar Zechlin
Moderation: Prof.in Dr. Kerstin Stakemeier, AdBK Nürnberg

 

 

13:30 Uhr - Panel 2
Rechte Medienpräsenz

Rechte Medienpräsenz prägt zunehmend die Wahrnehmung öffentlicher Text- und Bilddiskurse. Das Panel diskutiert die Auswirkungen dieses Phänomens: Katrin Köppert wirft einen medientheoretischen Blick auf KI-Bilder einer entleerten Welt und auf eine faschistische Zerstörungslust, die nicht nur nihilistisch, sondern auch schöpferisch wirkt. Birgit Mair beleuchtet den Rechtsdruck auf Kulturschaffende in Nürnberg durch „Mosaik-Rechte“ und die sich damit veränderte Wahrnehmung des Gegenprotestes in den bürgerlichen Medien. Julian Vogel und Johannes Büttner reflektieren die filmische Begegnung mit rechten Akteur*innen und Personen und sprechen hierfür anhand ihres Filmes „Soldaten des Lichtes“ über die Methode des „Direct Cinema“.


Johannes Büttner, Filmemacher und Künstler, Berlin
Prof.in Dr. Katrin Köppert, Kunst- und Medienwissenschaftlerin, Humboldt-Universität zu Berlin
Birgit Mair, Sozialwissenschaftlerin, Buchautorin und Wissenschaftsjournalistin, Nürnberg
Julian Vogel, Filmemacher und Drehbuchautor, Berlin
Moderation: Annett Stenzel & Peter Wendl, AdBK Nürnberg

 

15:30 Uhr - Panel 3
Kunst als politischer Handlungsraum?
Kunst und Politik befinden sich in einem Verhältnis wechselseitiger Beanspruchung. Wie viel politische Wirkmacht ist Kunst zwischen zunehmenden staatlichen Steuerungsversuchen, drohender institutioneller Vereinnahmung und folgenlosen symbolischen Gesten eigentlich zuzutrauen und auf welche Weisen kann Kunst politisch überhaupt wirken?
Diese und ähnliche Fragen sollen mit den Gästen Natascha Sadr Haghighian und Diedrich Diederichsen diskutiert werden. 
 

Prof. Diedrich Diederichsen, Autor und Kulturwissenschaftler, Berlin
Prof.in Natascha Sadr Haghighian, Künstlerin und Prof.in für Bildhauerei an der HfK Bremen
Moderation: Prof. Michael Hakimi & Prof.in Dr. Kerstin Stakemeier, AdBK Nürnberg

 

 

18 Uhr - Filmscreening
 

Soldaten des Lichts, 2025, Dokumentarfilm, 108 min
Johannes Büttner & Julian Vogel 

Der Film beleuchtet eine wachsende Szene von Influencern, Life Coaches und selbsternannten Heilern, die Verschwörungserzählungen verbreiten und in enger Verbindung zu Reichsbürgern stehen. Ihre Kundschaft reicht von sogenannten Souveränist*innen und Selbstverwalter*innen, die einen Bruch mit der BRD anstreben und sich durch eigene Ausweispapiere und bürokratische Strukturen legitimieren, bis hin zu Menschen, die schwer körperlich oder psychisch erkrankt sind.

 

20:00 Uhr
Ausklang 

 

 

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